Samstag, 10. März 2012

Zwiebelrostbratenwein

Weingut Schnaitmann, Lemberger ** trocken 2007
13 % Vol., verkostet am 03.03.2012

Heute habe einen schon fast klassischen Wein im Glas. Einen Lemberger aus dem großen Holzfass. Meiner Ansicht nach ist Lemberger die Rebsorte Württembergs, die das beste Potential für gute bis beeindruckende Weine im Schwabenlande innehat. Der heutige Lemberger ist von Rainer Schnaitmann. Von einem Aufsteiger der letzten Jahre kann man in seinem Fall wohl kaum noch sprechen. Für solch eine Behauptung komme ich wohl sicherlich mindestens 5 Jahre zu spät. Mittlerweile dürfte er in der regionalen Spitzenklasse angelangt sein. Im speziellen für seine tollen roten Burgunder Weine und den einen oder anderen Lemberger oder Mischmaschwein.
Warum Zwiebelrostbratenwein? Das liegt auf der Hand. Von seiner herben Stilistik her, kann ich mir kaum einen besseren Begleiter zu einem klassischen schwäbischen Zwiebelrostbraten mit Spätzle vorstellen. Das sind schlichtweg bei der Geburt getrennte zweieiige Zwillinge. Was das Begleiten betrifft gestaltet sich die Rollensituation bei mir natürlich ein wenig anders. Das Essen hat  immer dem Wein zu folgen ;-). Das war jetzt ein wenig Gastroideologie!


Die Farbe des Lembergers sieht schon ein wenig gealtert aus. Aber eigentlich nur am Rand sind bräunliche Verfärbungen eindeutig sichtbar. In meine Nase steigen konzentrierten und herb anmutenden Düften von dunklen Kirschen und ein wenig schwarzen Johannisbeeren. Die für einen Lemberger, und insbesondere für einen Mittelklasse Lemberger, da bei diesem die Verholzungsgefahr ausgeschlossen ist, typischen „säuerlich“-würzig-bitter-scharfen Anklänge fehlen natürlich auch nicht. Dieser typische Gesamteindruck setzt sich nahtlos im Geschmack fort. Auffällig finde ich seine recht herbe und kantige Art. Als ich den Wein in jungen Jahren probiert habe, kam er mir wesentlich runder, fast schon ganz leicht schnaitmannisch-cremig, vor. Heute hat er einen semi konzentrierten, durchaus schlanken - ohne dünn zu erscheinenden, Körper, eine kräftige und lebendige Säure und viel kantig-herben-Bittermandelcharme. Die fruchtigen Naseneindrücke von dunklen Kirschen und schwarzen Johannisbeeren setzten sich natürlich ebenfalls fort. Vielleicht ein wenig schwächer als in der Nase. Probleme mit zu viel Spreißeln oder zu hartem Tannin bestehen nicht. Ich denke JETZT ist ein sehr guter Genusszeitpunkt. All zu lange würde ich ihn nicht mehr aufheben. 
Für den Schwaben ist der Preis natürlich wichtig :-). Für damals klar unter 10 Euro ein wahres Schnäppchen. Aber das war damals ....

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