Montag, 13. Februar 2012

Interkontinentales Verschnittobjekt!

Collegium Wirtemberg Pinot Noir trocken 2010
13,5% Vol., verkostet am 12.02.2012

Dieser Pinot ist mir als erstes in die Hände gefallen um ihn für ein wenig Schabernack zu opfern. Ich hatte kürzlich einen fürchterbar süßlichen Pinot Noir aus Chile im Glas. Da hab ich mir gedacht, bevor ich diesen nicht ganz billigen Wein, der Chilene, an dessen klebriger Süße, und nicht dessen Gesamtstruktur, ich mich gestoßen habe, zu Teufel jage - verschneide ich ihn mal ein bissle. Am besten mit einem bodenständigen Schwaben Pinot! Ich weiß - eine totale Sauerei so etwas zu wagen ;-). Was mein interkontinentales Verschneiden (40% Chile, 60% Württemberg) betrifft, hat sich das Experiment durchaus gelohnt. Der Wein war wesentlich lebendiger, hatte einen höheren Trinkfluss, einen erweiterten Verträglichkeitsfaktor und war auf's wunderbarste entsüßt. Der große Wurf war es aber trotzdem nicht. Letztendlich habe ich mit dieser Eskapade den Wein nochmals 8 Euro teuerer gemacht ... Was solls!
So, wenn ich schon mal dabei bin, kann ich auch gleich noch den württembergischen Pinot ein wenig mehr vorstellen. 

Dieser Spätburgunder gehört nicht zu den „klassischen“, leichten, säuerlich fruchtbetonten und oft dünnen Vertretern dieser Gattung und der Preisklasse unter 10 Euro, wie man ihn doch all zu oft bei Genossen, aber auch Nicht-Genossen, auffinden kann. Der Pinot Noir, der seine Trauben von französischen Klonen im Stuttgarter Osten bezieht, versucht einen Spagat zwischen moderner, aber komplett trockener, und kraftvoller Charakteristik, vorteilhaftem Preis und massentauglicher Zugänglichkeit zu bewerkstelligen. Ich meine sagen vorwegnehmen zu dürfen, dass dies durchaus gelingen könnte. 

Seine Farbe ist sehr dunkel. An Rande der Durchsichtigkeit! Der Duft ist eindeutig von kühlen Eigenschaften geprägt. Er ist rauchig, zeigt viel von dunklen Kirschen, etwas Pfeffer, ganz wenig Basilikum und andere würzige Reminiszenzen. Er erscheint mir immer noch sehr verschlossen und jugendlich. Der Geschmack ist zunächst von einer strammen Säure geprägt, welche nach einiger Zeit ein wenig abzuklingen scheint. Vielleicht aber nicht genug: Die kräftigen dunklen Kirschen sind auch hier taktangebend. Anklänge von dunkler Schokolade gemischt mit Waldbeerenaromatik, wie bei einer Saisonalen-Spezial-Schokolade der Firma LS aus Z, verspüre ich ebenfalls. Meine Vermutung der Jungendlichkeit wird durch das präsente Tannin unterstützt. Alles in allem ein sich noch nicht ganz auf dem Höhepunkt befindendlicher Pinot der im kommenden Sommer kostengünstigen Spaß versprechen dürfte.

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