Mittwoch, 21. Dezember 2011

Zur Wiederauferstehung einen Spätburgunder... aus einer von Gleichmut erfüllten Hand!?!

Weingut Robert Bauer Spätburgunder V.V. 2005 Deutscher Tafelwein
13 % Vol. verkostet am 19.12.2011

Na endlich habe ich es geschafft einen Württemberger aufzumachen um diesen Blog wieder ein wenig Leben einzuhauchen. Und was für ein Provokativen und Umstrittenen. Weniger der Wein, eher der Weingärtner bzw. ehemalige Weingärtner (die Besitzverhältnisse des Weingutes sind etwas undurchschaubar. Wie auch immer …). Dieser Blaue Spätburgunder VV 2005 Tafelwein wurde vom Weingut Robert Bauer in Flein bei Heilbronn produziert. Wahrscheinlich dem Enfant Terrible der Württembergischen Weinszene seit den 1980er Jahren. In früheren Zeiten hat er sich einen Namen dadurch verdient, indem er ein wortlauter Streiter gegen die Beifügung von Süßreserve, darstellte. Soweit ich weiß, wird dieser Kampf erbittert weitergeführt. Nebenbei betreibt Bauer auch ein eigenes Weingut im Burgund, dessen Weine durchaus eine gewisse Qualität haben, vertreibt (oder vertrieb, aktuelle Lage ist mir nicht bekannt) auch Bordeaux Weine unter eigenem Namen und des Weiteren ist er Besitzer einer so langsam immer bekannter werdenden Essigmanufaktur. In der Weinbewertungsliteratur konnte er nie sehr viel Lob ergattern. Warum das so ist kann und will ich nicht kommentieren. Ich habe von ihm sehr bedenkliche, aber auch sehr angenehme Weine über die Jahre trinken können. Nun ja heute habe ich meine letzte Flasche seines Spätburgunders im Glase.

Dieser Spätburgunder wurde nur im Stahltank ausgebaut. Eine Besonderheit auf die großer Wert gelegt wird um die Fruchtqualitäten des Spätburgunders nicht durch Holzeinflüsse zu verschleiern. Was ich im Glas vorfinde spricht für diesen holzlosen Weg. Ich schmecke und rieche ganz klare, ausgeprägte und typische Fruchtaromen von Himbeeren und Erdbeeren. Vielleicht auch ein wenig Kirschen. Die Stilistik ist alles andere als „schwäbisch“. Ich bekomme einen sehr aristokratischen, fast schlank anmutenden und eleganten Eindruck von diesem Wein. Man könnte es auch burgundisch nennen. Mach ich aber nicht. Die Konzentration und Säure des Weines ist sehr gut ausbalanciert. Die Länge ist beeindruckend. Sehr faszinierender Nachhall. Was das Alter betrifft, denken ich, dass jetzt (spätestens) die Zeit zum trinken ist. Das hat weniger mir dem Wein an sich zu tun. Ich würde die Alterung eher auf den verwendeten Kunststoffkorken zurückführen. Eine Weingutspolitik die ich nie verstehen konnte, da ich ein Intimfeind ;-) von Kunststoffkorken bin. Ich hoffe, dass hat sich bei den jüngeren Jahrgängen geändert. Zurück zum Wein: Alles in allem eine sehr beeindruckende und genussreiche Erfahrung. Eine Art von Spätburgunder die man aufgrund der speziellen Stilistik eher selten von deutschen Weingütern bekommt. Eigentlich schade, dass es meine letzte Flasche war. Soweit ich weiß, sind die Preise für diesen Wein in den letzten Jahren etwas verstärkt angestiegen. Ich habe damals 16 Euro gezahlt. Demnach ein sehr gutes PLV. Die Erhältlichkeit der Weine ist ein wenig problembehaftet. Abgesehen von Sansibar kann man die Weine fast nur ab Hof vom Weingut kaufen. Was aber ein ganz besonderes Erlebnis sein kann ;-).

Fazit: Ein sehr naturbelassener Spätburgunder von ansprechender Güte. Sollte aber jetzt getrunken werden.

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